• 19. – 21. Oktober 2021
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31.05.2021

Additive Fertigung: Welche Zertifizierung jetzt wichtig ist

Österreich belegt den internationalen Spitzenplatz bei Patentanmeldungen im Bereich der Additiven Fertigung. Den Trend hat man schon lange erkannt und nun erstmals 21 “Additive Manufacturing Manager” erfolgreich im Qualifizierungsprojekt “addmanu knowledge” zertifiziert. Was sich dahinter verbirgt.

Weltweit betrachtet belegt Österreich den 1. Platz bei der Anzahl der Hersteller von Additive Manufacturing (AM)-Systemen pro Einwohner. Der Wohlers Report 2021 berichtet von einem Wachstum des AM-Weltmarktes um satte 7,5 Prozent auf 12.758 Milliarden US-Dollar - trotz Ausnahmezustand. Mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar an Venture Capital wurden außerdem in AM-Technologien investiert. Eine besondere Position erreicht dabei die Alpenrepublik. Die Studie des europäischen Patentamts (EPO) verzeichnete im Zeitraum von 2014-2017 bei Österreich den größten Anstieg mit einer überdurchschnittlichen Steigerungsrate von 1.300 Prozent bei der Anzahl der AM-Patentanmeldungen. Chapeau! 

Österreich ist Spitzenreiter bei Systemherstellern von Zukunftstechnologien

Mit mehr als zehn heimischen Herstellern bietet Österreich nicht nur ein breites Portfolio an unterschiedlichen AM-Technologien, sondern erreicht weltweit den 4. Platz unter jenen Nationen mit den meisten Systemherstellern. Der heimische Markt bietet enormes Innovationspotenzial im der Bereich dieser Zukunftstechnologie. Das haben auch österreichische Wirtschaftsunternehmen und Forschungseinrichtungen bereits längst erkannt und das Qualifizierungsprojekt “addmanu knowledge" entwickelt. Im März 2021 wurde der Pilotlehrgang abgeschlossen und erstmalig 21 “Additive Manufacturing Manager” zertifiziert.

© Cubicure
"Die Statistik zeigt, dass sich öffentliche und private Investitionen, die in den letzten Jahren zur Stärkung der Innovationsfähigkeit österreichischer AM-Akteure getätigt wurden, ausgezahlt haben", bestätigt Jürgen Stampfl, Professor für Werkstoffe und Additive Fertigungstechnologien an der TU Wien.

© Brigitte Kriszt, Montanuniverstät Leoben
Brigitte Kriszt ist Projektverantwortliche für "addmanu knowledge" seitens der Montanuniversität Leoben.

ISO-zertifizierter Lehrgang mit umfangreichem Netzwerk

Initiiert vom Außeninstitut der Montanuniversität Leoben gemeinsam mit österreichischen Forschungspartnern wurde ein Programm entwickelt, um Personen zum “Additive Manufacturing Manager” - zertifiziert nach ISO 17024 - auszubilden. “Wichtiges Ausbildungsziel ist die Integration von Fragestellungen der Unternehmen, um so direkt das erlernte Wissen wieder in den Arbeitsprozess einzubringen”, sagt Brigitte Kriszt, Projektverantwortliche seitens der Montanuniversität Leoben. Insbesondere im Bereich der industriellen Anwendungen gibt es eine hohe Anzahl an Verfahren und Anwendungen. Viele Techniken seien sehr neu, hier “ist das Vernetzen der einzelnen Unternehmen und wissenschaftlichen Partner sehr wichtig", betont Kriszt. Der nächste Lehrgang startet im Herbst 2021. Besonders wichtig ist Kriszt “die Kombination von Präsenzausbildung und Distance Learning, das Netzwerk und der direkte Draht zu den Referenten.

Stimmen aus der Industrie

© Franka Leitlmeier, Primetals Technologies

“Der Lehrgang ‘addmanu knowledge’ war für mich die perfekte Chance mein Wissen über Additive Manufacturing (AM) für Metalle, Kunststoffe und Keramiken zu vertiefen. Ich habe mein AM-Netzwerk erweitert und die wichtigsten Experten und Forschungsinstitutionen in Österreich als potenzielle Kooperationspartner erkannt,” sagt Franka Leitlmeier, Leiterin Additive Manufacturing bei Primetals Technologies Austria. 

© SBI GmbH

Davon ist auch Johannes Niedermayer von SBI überzeugt: „Das 'addmanu knowledge'-Programm vermittelt kompakt und praxisnah wertvolles Fachwissen mit Fokus auf Technologien, Anwendungen und Wissenschaft der additiven Fertigung." 

© Noble Powder

Karl Hable entwickelt mit seinem Start-Up Noble Powder Verfahren zur Rohstoffherstellung in Partikelform: “Spezialwissen aus Forschung und Entwicklung wurde direkt in die Wirtschaft übertragen. Herausragend ist das Netzwerk, das entstanden ist. Bereits in der Ausbildung entstanden für mich neue Perspektiven und Kooperationen, die Prozesse und Produkte der Zukunft nachhaltig prägen werden."

Additive Fertigung ist in der industriellen Produktion angekommen

In Österreich ist eine lebendige Gründerszene entstanden. Johannes Homa, Eigentümer der Lithoz GmbH, hat selbst ein AM-Start-Up gegründet, ist Präsident der Technologieplattform Additive Manufacturing Austria und Prüfer der Zertifizierungskommission von “addmanu knowledge”. Er zeigt sich “beeindruckt von dem breiten, aber auch tiefen Wissen, das die Teilnehmenden in diesem Lehrgang aufgebaut haben.” Lithoz ist in der AM-Szene schon lange keine Unbekannte mehr. Im Bereich der Materialien (Photopolymere und Metalle) spielen österreichische Universitäten wie die TU Wien und Montanuniverstität Leoben, aber auch heimische Unternehmen wie Cubicure, Lithoz und die voestalpine bei der kommerziellen Umsetzung eine wesentliche Rolle. 

© Lithoz

© Lithoz
"Die Projektarbeiten waren ausgezeichnet und haben sehr aktuelle Probleme behandelt", zeigt sich Homa begeistert.

Additive Manufacturing Manager

Berufsbegleitende und zertifizierte Weiterbildung nach ISO 17024

"addmanu knowledge" ist ein Qualifizierungsnetzwerk gefördert von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)

Start Lehrgang: vorauss. Herbst 2021

Anmeldung: Brigitte Kriszt

Weiterführende Informationen: addmanu-Website

 

Quelle: Montanuniversität Leoben, Wohlers Report, Additive Manufacturing Austria